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Biografien
Philipp Hoffmann (1540-1610)Philipp Hoffmann, der älteste bekannte Stammvater des Geschlechtes, wurde um 1540 in Böhmen geboren. Nachdem die Protestanten den Schmalkaldischen Krieg verloren hatten, wurden sie 1547 aus Böhmen vertrieben. Unter den Vertriebenen waren auch Philipps Eltern, deren Namen wir nicht kennen. Philipp besuchte in Allstedt die Stadtschule und ist spätestens ab 1561 als Hufschmied in Sangerhausen ansässig. Zwischen 1561 und 1566 heiratete er Barbara Dogkhorn und bekam von seinem Schwiegervater Hans Dogkhorn ein Haus an der Riestedter Str., Riesches Viertel Nr. 13 mit dazugehörigem Land. Die Familie hatte fünf Kinder. 1595 war Philipp erblindet. Es ist nicht ganz geklärt, ob Philipp nach dem Tod seiner Frau ein zweites Mal geheiratet hat. Er starb wahrscheinlich im Pestjahr 1610.Basilius Hoffmann (1573-1636)Philipps Sohn Basilius, der unsere Stammreihe fortsetzt, wurde Ende Januar 1573 in Sangerhausen geboren. Bis März 1589 besuchte er dort die Stadtschule und erhielt dann einen Platz an der Schule zu Pforta, die er bis zum 27. März 1595 besuchte. Diese Freiplätze wurden nur an besonders gute Schüler vergeben. Wir kennen den Tagesablauf an der Schule von 6 Uhr, bisweilen 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends recht gut, und interessanterweise ist auch ein Eintrag von Basilius im Stammbuch seines Mitschülers Johannes Meiner überliefert, in dem er schreibt:Magna cadunt, inflata crepant, tumefacta premuntur. Disce supercilium deponere, disce cavere, Ante pedes foveam, quisquis sublime minaris. Zwei Monate nach Schulabschluß beginnt Basilius 1595 sein Studium der Philosophie und Theologie in Wittenberg. Schon 1599 muß er aus finanziellen Gründen sein Studium abbrechen und wird Lehrer an der Allstedter Stadtschule. Trotz seines geringen Gehalts und der engen Wohnung heiratete er um 1601 Anna Wermuth, die Tochter des wohlbegüterten Allstedter Bürgers Peter Warmuth. Nach der Geburt seiner vier Kinder bewirbt er sich mehrmals um die Stelle eines Pfarrers, was schon immer sein Berufswunsch war. 1611 erhält er schließlich die Pfarre in Winkel bei Allstedt. Das kleine Dorf verliert im Pestjahr 1626 136 Einwohner, auch der Dreißigjährige Krieg fordert seine Opfer. Basilius stirbt 1636 und wird am 4. September in Winkel begraben Petrus Hoffmann (1609-1689)Als viertes und jüngstes Kind von Basilius wird Petrus Hoffmann am 30. Oktober 1609 in Allstedt geboren. Mit elf Jahren trat er in die Sangerhauser Stadtschule ein und ging mit 17 an das von Martin Luther gegründete Gymnasium in Eisleben. 1634 schloß er- inzwischen in Halle- seinen Schulbesuch ab und studierte in Jena Theologie, bis ihn 1636 der Tod des Vaters an der Fortsetzung des Studiums hindert. Dies ist nicht als Studienabbruch im heutigen Sinne zu verstehen, denn eine Abschlußprüfung gab es noch nicht. Man konnte sein Studium beenden, wenn man sich dafür reif fühlte.Im Frühjahr 1637 wurde Petrus Rektor der Schule in Allstedt, an der schon sein Vater Lehrer war und die auch sein Großvater besucht hatte. Um den 9. Februar 1646 heiratet er Catharina Juckschnabel aus einer alten Allstedter Handwerkerfamilie. 1653 wechselt er den Beruf, um in Einzingen bei Allstedt Pfarrer zu werden. Das Dorf hatte seit dem Kriegsende 1638 keinen Pfarrer mehr gehabt. Haupteinnahmequelle des Pfarrers war die Landwirtschaft, die er nebenbei betrieb. Er besaß 1677 51 Acker, die er wohl nicht selbst betrieb, sondern in Pacht gab, und dazu einen Garten. Obwohl er zeitlebens schwächlich und krank war, überlebte er die Pestzeit und gibt erst 1688 -mit 79 Jahren!- sein Amt auf und zieht zu seinem Sohn Johann Peter Hoffmann nach Nieder-Röblingen. Petrus stirbt am 15. April 1689 in Nieder-Röblingen bei Allstedt. Johann Peter Hoffmann (1650-1711)Petrus hatte zwei Kinder. Sein einziger Sohn, Johann Peter wurde um 1650 in Allstedt geboren. Er besuchte dort die Stadtschule und lebte bei seiner Großmutter mütterlicherseits. 1665-70 besuchte er das Gymnasium in Nordhausen und bezog am 3. Februar 1670 die Universität zu Jena. Er war ab 1673 wahrscheinlich Hauslehrer und mußte ab Herbst 1677 seinen kranken Vater als Gehilfe im Pfarramt unterstützen. Im gleichen Jahr heiratet er Catharina Müller, die Tochter des Amtsverwalters Andreas Müller aus einer Nieder-Röblinger Familie. Sie bekamen vier Söhne und zwei Töchter, bis die junge Ehefrau 1689 mit 28 Jahren starb. Die Haushälterin Maria Elisabeth Schievelbusch aus Halberstadt, die er nun einstellen mußte, wurde 1697 seine zweite Frau. Aus dieser Ehe gingen sechs Söhne und eine Tochter hervor. Neben dem von seiner ersten Frau ererbten Landbesitz besaß Johann Peter noch Ländereien in Sangerhausen und Edersleben. Am Kornmarkt in Sangerhausen baute er ein stattliches Wohnhaus, das Brauhaus, welches er 1708 seinem Sohn aus erster Ehe, Johann Elias überließ. Am 27 Februar 1711 starb er nach schwerer Krankheit in Nieder-Röblingen.Seine Witwe heiratete erneut, wurde aber bald danach von ihrem Mann verlassen. Sie starb am 31. Dezember 1742. Johann Siegfried Hoffmann (1697-1749)Johann Siegfried entstammt der zweiten Ehe seines Vaters. 1697 wurde er im Pfarrhaus geboren. Er verlor seinen Vater mit 14 und besuchte wahrscheinlich auch die seit Generationen vertraute Stadtschule zu Allstedt. 1717 begann er in Halle Jura zu studieren. Erst 1726 finden wir ihn in den Quellen wieder als Privatlehrer in Moskau. 1727 tritt er eine aussichtsreiche Stelle als Finanzbeamter in Narva an, er ist damit der erste Hoffmann im Baltikum. 1728 wurde er verhaftet, weil er einen Regimentsschreiber überfahren haben solle. Dieser Vorwurf beruhte zum Glück auf einer Verwechslung. Am 13. Oktober 1730 heiratete er die 31-jährige Witwe Anna Hedwig Striecker, geb. Lutzenberg. Sie leitete resolut den Hausstand und die ererbten Gasthäuser, kaufte Häuser und führte Prozesse.Johann Siegfried stand mit seinem Neffen Johann Friedrich Hoffmann in Sangerhausen in brieflicher Verbindung, ein Brief ist sogar erhalten. Am 26. Februar 1735 wurde Johann Siegfried zum Ratsherrn gewählt. Er erfüllte seinen Dienst mit außerordentlichem Eifer, bis er 1748 ernstlich krank wurde. Am 31. Oktober 1749 starb er und hinterließ seine Frau und drei Kinder. Johann Siegfried II Hoffmann (1736-1807)Johann Siegfrieds Sohn mit demselben Namen wurde am 23. September 1736 in Narva geboren und ging dort zur Schule. Im nunmehr fernen Halle studiert er mit seinem Bruder zusammen Jura. Anscheinend pflegten sie dort auch noch Bekanntschaft mit den Verwandten in Thüringen. Johann Siegfried II kehrte nach drei Jahren nach Narva zurück und wurde Anwalt. Doch nach wenigen Monaten kündigte er und zog nach St. Petersburg, wo er etwa ein Jahr Gymnasiallehrer war. 1759 finden wir ihn in Narva wieder als Notar. Er heiratete im gleichen Jahr mit 23 die 19-jährige Waise Anna Catharina Boismann. 11 Kinder entstammen dieser Ehe. 1761 wird Johann Siegfried II mit nur 29 Jahren Ratsherr. Erst mit 60 Jahren wurde er Gerichtsvogt. Er starb 1807.Johann Georg Hoffmann (1760-1817)Der älteste Sohn Johann Siegfireds II. war Johann Georg, geboren am 6. April 1760. Er war Lehrling im Handelskontor von Jakob Krause in Reval, der auch aus Narva stammte. Johann Georg wird recht früh zum Mitinhaber des Geschäftes. Am 11. Dezember 1785 heiratet er Hedwig Louisa Mertzig. Er wohnt in der Russ-Str. 242 (heute Nr. 4) mit seiner Frau zusammen, kauft aber 1788 das Haus Lehmstraße 367 (heute 14). Er löste sich von Krauses Geschäft und führte seinen eigenen Laden in diesem Hause. Im Jahr 1800 unterhält er darüber hinaus drei Gastwirtschaften. Er brachte es so in jungen Jahren im fremden Reval schnell zu gesellschaftlichem Ansehen, 1780 wurde er Schwarzhäupterbruder. Er war Ältester der Großen Gilde, Richter und Assesor. 1803 wurde er zum Ratsherrn gewählt. Er wurde als Gesandter nach Riga geschickt und trieb nebenbei weiterhin erfolgreich seinen Handel, erwarb 1807 in Helsingfors das Schiff "Carl Friedrich" samt 295 Tonnen Salz und ein weiteres Schiff für 80.000 Rubel. Er besaß darüber hinaus mehrere andere Schiffe und lieferte Branntwein an die Flotte.Die Kontinentalsperre, die Inflation und der Untergang mehrerer Schiffe 1812 brachten ihn 1813 in Zahlungsschwierigkeiten. Sein Vermögen wird eingezogen, aber ein kleiner Handel blieb ihm. Am 9. März 1817 starb Johann Georg 57-jährig an einem Schlaganfall. Das Konkursverfahren gegen ihn wurde nach seinem Tode fortgesetzt, die Witwe behielt kein Erbe zurück. Peter Johann Hoffmann (1790-1848)Johann Georg hatte vier Kinder, Peter Johann wurde als ältester Sohn am 18. Mai 1790 in Reval geboren. Bis Juli 1805 besuchte er das Gouvernements-Gymnasium und wurde danach im Kontor seines Vaters zum Kaufmann ausgebildet. 1810 wird er Schwarzhäupterbruder, 1813 leistet er den Revaler Bürgereid und eröffnet noch am gleichen Tage sein eigenes Handelshaus. Am 13. August 1813 heiratet er Anna Wilhelmine Friederike Assmuth, die Tochter eines aus Stade nach Estland eingewanderten Pastors. Wilhelmine kümmerte sich zeitlebens liebevoll um die 8 Söhne und eine Tochter. 1817 ließ Peter Johann sich bei der Kirche Klein Marien in Wierland auf dem Lande nieder, wo er von einem kleinen Geschäft lebte. Der Handel in Marienhof wurde bald ein weithin bekanntes Einkaufsziel der Gegend. Aus ganz Nord-Livland und Wierland strömte die Kundschaft, wie eine zeitgenössische Quelle berichtet. Durch Landankauf konnte Peter Johann die Stelle zu einem Gutshof ausbauen und auch Hausbesitz in Reval erwerben (Schmiedestr. 553 und Mundtenstr. 265a). Er wurde dennoch nicht reich, denn er finanzierte jungen Leuten ihr Studium und spendete vieles der kleinen Kirche. 1848 starb er nach kurzer Krankheit, zwölf Prediger folgten seinem Sarg.© by: Familienverband der Hoffmann aus Sangerhausen e.V. Verden/Aller |